Sonntagabend: Der Tee dampft, draußen wird es dunkel, und der Hund liegt schon erwartungsvoll auf seiner Decke, bevor die Bürste überhaupt aus der Schublade geholt ist. Du kennst diesen Moment vielleicht, denn das Ritual sitzt schnell: Sonntag ist Pflegetag. Zehn Minuten, mehr nicht. Danach gibt es ein Leckerli, und wer noch mehrere Hunde im Haus hat, ist als Nächstes dran.
Lange dachte ich, gute Hundepflege bedeutet tägliches Programm mit schlechtem Gewissen an allen Tagen, an denen es nicht klappt. Heute weiß ich: Viel wichtiger als Perfektion ist ein fester, kurzer Rhythmus. Eine ruhige Viertelstunde pro Woche, in der du einmal komplett über deinen Hund schaust, fängt fast alles früh genug ab. Und genau diese Routine bekommst du hier, Schritt für Schritt.

Fester Wochentag hilft
Leg die Routine auf einen festen Tag, am besten nach einem Spaziergang, wenn dein Hund entspannt ist. Sonntagabend hat sich in vielen Haushalten bewährt.
Warum reicht einmal pro Woche wirklich?
Weil es bei der wöchentlichen Routine nicht um Großreinigung geht, sondern um Früherkennung: Wer seinen Hund einmal pro Woche systematisch anschaut, bemerkt Veränderungen, bevor sie zu Problemen werden. Die tägliche Basispflege erledigt dein Hund größtenteils selbst, und akute Dinge wie matschige Pfoten wischst du ohnehin nach dem Spaziergang ab. Was im Alltag fehlt, ist der ruhige Gesamtblick: die kleine Verfilzung hinterm Ohr, die Rötung zwischen den Zehen, der Knubbel unterm Fell. Genau dafür sind die zehn Minuten da. Sie ersetzen übrigens nicht die Extra-Themen wie Baden, Krallen oder Zahnpflege, aber sie sagen dir zuverlässig, wann eines davon fällig ist. Ein schöner Nebeneffekt: Ein Hund, der wöchentlich überall angefasst wird, bleibt auch beim Tierarztbesuch gelassener.

Wie sieht die 10-Minuten-Routine Schritt für Schritt aus?
Der Ablauf folgt einer festen Reihenfolge von vorn nach hinten: Fell, Ohren, Augen, Pfoten und zum Schluss der Haut-Check. So vergisst du nichts, und dein Hund weiß immer, was als Nächstes kommt.
- Minute 1 bis 4, das Fell: Bürste deinen Hund einmal komplett durch, mit dem Strich, in Ruhe. Achte auf Verfilzungen an den klassischen Stellen: hinter den Ohren, in den Achseln, an der Hose. Welche Bürste zu welchem Felltyp passt, steht im Bürsten-Guide. Beim Bürsten spürst du nebenbei schon Kletten, Zecken oder kleine Krusten.
- Minute 5 bis 6, der Ohren-Blick: Hebe beide Ohren an und schaue hinein: Die Innenseite sollte rosig und weitgehend sauber sein, der Geruch neutral. Du schaust nur und riechst, gereinigt wird nur bei Bedarf und nur außen, wie im Ratgeber Hundeohren sanft reinigen beschrieben.
- Minute 7, die Augen: Wische Schlafsand in den Augenwinkeln mit einem weichen, feuchten Tuch weg, immer vom Auge weg nach außen. Klare, glänzende Augen ohne starke Tränenspuren sind das Ziel, mehr dazu im Artikel über die sanfte Augenpflege.
- Minute 8 bis 9, die Pfoten: Nimm jede Pfote einmal in die Hand: Ballen anschauen, Zehenzwischenräume spreizen, Krallenlänge prüfen. Gerade die Zwischenräume werden gern übersehen, dabei zeigt sich dort viel, wie der Ratgeber über Rötungen zwischen den Zehen zeigt. Trockene, beanspruchte Ballen dürfen zum Abschluss eine dünne Schicht Pflege bekommen.
- Minute 10, der Haut-Check: Fahre mit beiden Händen einmal gegen den Strich durchs Fell und taste dabei den ganzen Körper ab: Bauch, Achseln, Leisten, Rutenansatz. Du suchst nach Rötungen, Schuppen, kahlen Stellen, Knubbeln und Parasiten. Das lässt sich wunderbar mit einer Schmuseeinheit verbinden, ganz ähnlich wie beim Kuschel-Check.
Was brauchst du für die Routine?
Die Grundausstattung ist bewusst klein: eine passende Bürste, ein paar weiche Tücher und eine milde Pflege für beanspruchte Stellen, mehr muss nicht im Pflegekorb liegen. Für trockene Ballen, raue Ellenbogen oder einzelne beanspruchte Hautstellen eignet sich die SOS Creme, dünn aufgetragen am Ende der Routine, damit sie einziehen kann, bevor die nächste Schnüffelrunde ansteht. Wer Pfoten und Haut in einem Rutsch versorgen will, findet beides im Pfotenpflege-Set. Zur Einordnung: Beides ist Pflege für gesunde, beanspruchte Haut, kein Ersatz für eine Behandlung, wenn wirklich etwas ist. Dazu ein fester Platz, eine rutschfeste Decke und ein paar Leckerli fürs Finale, fertig.
Wann solltest du Abweichungen ernst nehmen?
Immer dann, wenn dir bei der Routine etwas Neues auffällt, das nach einer Woche noch da ist, oder wenn dein Hund an einer Stelle plötzlich empfindlich reagiert. Der große Vorteil der wöchentlichen Routine ist dein Vergleichswert: Du kennst den Normalzustand deines Hundes so gut, dass dir Veränderungen sofort auffallen. Einmalige Kleinigkeiten darfst du beobachten. Häufigeres Kratzen dagegen, wie im Ratgeber über ständiges Kratzen beschrieben, auffälliger Geruch aus den Ohren oder wachsende Knubbel gehören abgeklärt.
Beim Wochen-Check entdeckt? Dann bitte in die Praxis
- Knubbel oder Verhärtungen, die neu sind oder sichtbar wachsen
- Gerötete, nässende oder übel riechende Stellen an Haut, Ohren oder Pfoten
- Kahle Stellen, starke Schuppen oder Parasitenbefall
- Schmerzreaktion beim Abtasten einer bestimmten Körperstelle
- Trübe Augen, starker Augenausfluss oder zugekniffene Lider
Häufige Fragen
Reichen zehn Minuten pro Woche wirklich für jeden Hund?
Für den Gesundheits-Check ja. Hunde mit viel Unterwolle, Locken oder langem Fell brauchen zusätzlich häufigere Bürst-Einheiten, im Fellwechsel auch täglich. Der wöchentliche Komplett-Blick bleibt trotzdem das Fundament.
Wann ist der beste Zeitpunkt für die Pflegeroutine?
Nach einem Spaziergang, wenn dein Hund entspannt und etwas müde ist. Ein fester Wochentag hilft euch beiden, bewährt hat sich der Sonntagabend.
Mein Hund mag es nicht, an den Pfoten angefasst zu werden. Was tun?
Langsam aufbauen: erst nur berühren und belohnen, dann kurz halten, dann anschauen. Verteile die Routine anfangs ruhig auf mehrere Tage. Zwang macht es schlimmer, Gewohnheit macht es leicht.
Gehören Zähne und Krallen nicht auch in die Routine?
Die kontrollierst du im Wochen-Check kurz mit, gepflegt werden sie aber in eigenen Einheiten: Zahnpflege am besten mehrmals pro Woche, Krallen je nach Abrieb alle paar Wochen.
Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei unklaren, starken oder wiederkehrenden Beschwerden lass deinen Hund bitte in der Praxis anschauen.