Hundeohren sanft reinigen: So geht es richtig (und so bitte nicht)

Wenn ein Golden Retriever, den ich seit Jahren kenne, nach dem Spaziergang auf seiner Decke liegt, klappe ich manchmal ganz beiläufig eines seiner weichen Goldie-Ohren um und schaue hinein. Er kennt das Ritual, es dauert zehn Sekunden, und meistens ist alles wie es sein soll: rosig, sauber, geruchlos. Genau so unspektakulär darf Ohrenpflege beim Hund sein. Und trotzdem ranken sich um kaum ein Pflegethema so viele Missverständnisse, vom wöchentlichen Putzprogramm bis zum Wattestäbchen.

Deshalb räumen wir hier auf: was dem Ohr im Sommer besonders zusetzt, wie oft Ohrenreinigung wirklich nötig ist, wie sie sanft gelingt und wo die klare Grenze verläuft, hinter der die tierärztliche Praxis übernimmt.

Was macht dem Hundeohr im Sommer zu schaffen?

Vier Dinge, die es im Winter so nicht gibt: Salzwasser, Seewasser, Grannen und Hitze. Im Sommer ist das Ohr deutlich mehr gefordert als sonst.

  • Salzwasser vom Meer trocknet die Haut in der Ohrmuschel aus. Trocknet es im Fell rund ums Ohr, bleiben feine Salzkristalle zurück, die reiben und jucken können. Nach dem Strandtag lohnt der Blick ins Ohr genauso wie der Pfoten-Check.
  • Wasser vom Baggersee bleibt unter Schlappohren lange stehen. Dauerfeuchte Wärme ist genau das, was ein Hundeohr gar nicht mag.
  • Grannen aus trockenen Sommerwiesen haken sich fest und wandern mit ihren Widerhaken immer weiter nach innen. Eine Granne im Ohr ist kein Fall fürs Tuch, sondern für die Praxis. Mehr dazu im Grannen-Ratgeber.
  • Hitze und Sonne treffen die dünne Haut der Ohrspitzen, besonders bei hellen oder dünn behaarten Ohren. Auch Mücken und Bremsen erwischen gern genau den Ohrrand. Für die beanspruchte Haut außen am Ohr nutzen wir dann unsere SOS Creme, dünn aufgetragen. Nur äußerlich und niemals im Gehörgang.
FELLNASENLIEBE: Nasser Irish Water Spaniel bekommt nach dem Schwimmen die Ohrmuschel mit einem weichen Leinentuch sanft trocken getupft (KI-generiertes Bild)

Nach dem Schwimmen: zehn Sekunden fürs Ohr

Wenn dein Hund aus dem Wasser kommt, tupfe die Ohrmuschel kurz mit einem weichen Tuch trocken, so weit du bequem hinkommst. Kein Stochern, kein Druck. Unter einem Schlappohr steht die Nässe sonst den ganzen Abend.

Wie oft solltest du Hundeohren reinigen?

Deutlich seltener, als viele denken: Ein gesundes Hundeohr reinigt sich weitgehend selbst und braucht nur dann Hilfe, wenn sichtbar Schmutz in der Ohrmuschel liegt. Das Ohr hat einen eigenen Selbstreinigungsmechanismus, der Ohrenschmalz und Schmutz langsam nach außen transportiert. Ständiges Putzen stört dieses System eher, als dass es hilft, und kann die empfindliche Haut reizen. Was dagegen wirklich in die Routine gehört, ist der regelmäßige Blick: einmal pro Woche kurz ins Ohr schauen und schnuppern. So kennst du den Normalzustand deines Hundes und bemerkst Veränderungen sofort. Bei Schlappohr-Hunden wie einem Golden Retriever lohnt der Blick etwas häufiger, unter dem warmen Ohrläppchen bleibt Feuchtigkeit länger stehen.

Wie reinigst du die Ohrmuschel richtig?

Mit einem weichen, leicht angefeuchteten Tuch und nur dort, wo du ohne Mühe hinkommst: in der sichtbaren Ohrmuschel. So gehst du vor:

  • Wähle einen ruhigen Moment, wenn dein Hund entspannt ist, und lass ihn am Tuch schnuppern
  • Klappe das Ohr sanft um und wische die Innenseite der Ohrmuschel mit dem Tuch aus, immer von innen nach außen
  • Nutze lauwarmes Wasser oder eine dafür vorgesehene milde Ohrenpflege für Hunde auf dem Tuch, keine Hausmittel wie Essig oder Alkohol
  • Arbeite ohne Druck und nur an den Stellen, die du gut sehen kannst
  • Belohne danach, damit das Ritual positiv verknüpft bleibt

Mehr ist es nicht. Wenn dein Hund den Kopf wegzieht, jault oder das Ohr auffällig empfindlich ist, hör auf und lass lieber in der Praxis nachsehen, Schmerz ist immer ein Signal.

Warum sind Wattestäbchen im Gehörgang tabu?

Weil sie Schmutz tiefer schieben, statt ihn zu entfernen, und den empfindlichen Gehörgang verletzen können. Der Gehörgang des Hundes verläuft anders als beim Menschen: erst senkrecht nach unten, dann in einem Knick waagerecht zum Trommelfell. Ein Wattestäbchen wirkt in diesem System wie ein Kolben, der Ohrenschmalz vor sich her in die Tiefe presst, wo er verklumpt und Probleme macht. Dazu kommt die Verletzungsgefahr, wenn der Hund ruckt. Die Regel ist deshalb einfach und absolut: Nichts, was stochern kann, gehört in ein Hundeohr. Gereinigt wird nur die sichtbare Ohrmuschel, alles Tiefere ist Sache der tierärztlichen Praxis mit dem passenden Blick ins Ohr.

Infografik von FELLNASENLIEBE: Das hat im Hundeohr nichts verloren – Wattestäbchen, Essig und Alkohol, Öl und Hausmittel (KI-generierte Grafik)

Woran erkennst du, dass das Ohr in die Praxis gehört?

An Geruch, Rötung, Ausfluss oder verändertem Verhalten wie häufigem Kopfschütteln und Kratzen. Ein gesundes Ohr ist blassrosa, trocken und riecht neutral. Alles, was davon abweicht, ist kein Fall für mehr Putzen, sondern für einen Praxistermin: süßlicher oder hefiger Geruch, dunkle Beläge, vermehrter Ausfluss, gerötete oder verdickte Haut, Wärme am Ohr. Genauso wichtig sind die Verhaltenszeichen: ständiges Kopfschütteln, Schiefhalten des Kopfes, Kratzen am Ohr, Reiben über den Teppich oder Abwehr beim Anfassen. Bitte hier nicht selbst mit Reinigungen experimentieren, denn wenn hinter der Veränderung etwas steckt, das behandelt werden muss, verlierst du mit jedem Hausmittel-Versuch nur Zeit.

Mit dem Ohr in die Praxis bei

  • Auffälligem Geruch aus dem Ohr, dunklen Belägen oder Ausfluss
  • Rötung, Schwellung oder spürbarer Wärme an Ohrmuschel oder Ohreingang
  • Häufigem Kopfschütteln, Kopfschiefhaltung oder ständigem Kratzen am Ohr
  • Schmerzzeichen beim Berühren des Ohrs
  • Verdacht auf einen Fremdkörper im Ohr, zum Beispiel eine Granne nach dem Spaziergang: bitte nicht selbst stochern, sondern direkt vorstellen

Häufige Fragen

Muss ich die Ohren nach jedem Badetag reinigen?
Nein. Reinigen und Trocknen sind zwei verschiedene Dinge. Nach dem Schwimmen reicht es, die Ohrmuschel sanft trocken zu tupfen. Eine Reinigung braucht es nur, wenn sichtbar Schmutz drin ist.

Wie oft muss ich die Ohren meines Hundes reinigen?
Nur bei sichtbarem Schmutz in der Ohrmuschel. Viel wichtiger ist der wöchentliche Kontrollblick, mit dem du Veränderungen früh bemerkst. Ein gesundes Ohr reinigt sich weitgehend selbst.

Was nehme ich zum Reinigen der Hundeohren?
Ein weiches, mit lauwarmem Wasser angefeuchtetes Tuch oder eine milde, für Hunde vorgesehene Ohrenpflege. Keine Wattestäbchen, kein Alkohol, kein Essig und nichts, was in den Gehörgang eingeführt wird.

Sind Schlappohren anfälliger als Stehohren?
Unter hängenden Ohren bleibt es wärmer und feuchter, deshalb lohnt sich dort der Kontrollblick etwas häufiger, besonders nach dem Schwimmen. Nach dem Baden die Ohrmuschel sanft trocken tupfen.

Mein Hund schüttelt ständig den Kopf, das Ohr sieht aber sauber aus. Was nun?
Kopfschütteln ohne sichtbaren Grund gehört tierärztlich abgeklärt, denn die Ursache kann tiefer im Gehörgang liegen, wo du sie nicht sehen kannst. Bitte nicht auf Verdacht reinigen.

Merk dir diesen Ratgeber für später auf Pinterest:

Pinterest-Pin von FELLNASENLIEBE: Nach dem Baden, das vergessene Ohr (KI-generiertes Bild mit Text-Overlay)

Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei unklaren, starken oder wiederkehrenden Beschwerden lass deinen Hund bitte in der Praxis anschauen.

Zurück zum Blog