Der Spaziergang war wunderschön: hohes, trockenes Gras, drüber Sommerlicht, dein Hund ist durch die Wiese gepflügt wie ein kleines U-Boot. Zwei Tage später fängt er an, unablässig an einer Pfote zu lecken. Du schaust nach und findest: nichts. Nur eine kleine, warme Schwellung zwischen den Zehen, die gestern noch nicht da war.
Genau so beginnen viele Grannen-Geschichten. Diese winzigen, widerhakigen Pflanzenteile von Gräsern und Getreide sehen harmlos aus, können sich aber regelrecht in Haut, Fell und Körperöffnungen bohren. Hier liest du, was Grannen so gefährlich macht, wo du deinen Hund nach jedem Spaziergang checken solltest, was du selbst tun darfst und wann nur die Tierarztpraxis helfen kann.

Sie wandern nur in eine Richtung
Das ist der Unterschied zu allem anderen, was im Fell hängen bleibt: Eine Granne fällt nicht wieder raus. Ihre Widerhaken lassen sie bei jeder Bewegung ein Stück weiter nach innen rutschen. Deshalb zählt der Check direkt nach dem Spaziergang, nicht erst am nächsten Tag.
Warum sind Grannen so tückisch?
Weil sie feine Widerhaken haben und durch die Bewegung des Hundes immer nur in eine Richtung wandern: nach innen. Einmal zwischen den Zehen oder im Ohr, arbeiten sie sich tiefer ins Gewebe. Sie lösen sich nicht von selbst und können Entzündungen verursachen. Besonders riskant sind Ohren, Augen, Nase und die Zehenzwischenräume.
Wo muss ich meinen Hund nach dem Spaziergang checken?
An sechs Stellen: Zehenzwischenräume, Ohren, Augen, Nase, Achseln/Leiste und im Fell. Nach jedem Spaziergang durch hohe, trockene Wiesen kurz absuchen:
- Zwischen den Zehen und an den Ballen: die häufigste Stelle. Achte auf kleine Schwellungen, Lecken oder ein Loch mit Kruste. Wie der gründliche Blick von unten geht, zeigt dir Schritt für Schritt unser Pfoten-Check zwischen den Zehen.
- Ohren: Schüttelt dein Hund plötzlich stark den Kopf oder hält ihn schief, kann eine Granne im Ohr stecken. Wie der wöchentliche Ohren-Blick geht, steht im Ohren-Ratgeber.
- Augen: tränt ein Auge, ist es zugekniffen oder gerötet?
- Nase: plötzliches heftiges Niesen, Nasenbluten oder Reiben mit der Pfote.
- Achseln, Leiste und Bauch: dünnhäutige Stellen, an denen Grannen leicht eindringen.
- Im Fell, besonders bei langhaarigen Hunden: gründlich durchkämmen.

Was darf ich selbst tun, und was nicht?
Lose, gut sichtbare Grannen darfst du mit der Pinzette ziehen; alles, was tiefer sitzt, gehört in die Praxis. Eine Granne, die noch lose im Fell hängt oder oberflächlich zwischen den Zehen sitzt und gut sichtbar ist, ziehst du vorsichtig heraus. Danach die Stelle im Blick behalten und sanft pflegen, zum Beispiel mit unserer SOS Creme für die beanspruchte Hautstelle, nur äußerlich.
Finger weg solltest du lassen, sobald eine Granne tiefer sitzt, in Ohr, Auge oder Nase verschwunden ist, oder wenn du sie nicht mehr sehen kannst. Dort richtest du beim Herumdrücken mehr Schaden an, als du hilfst.
Sofort in die Tierarztpraxis, wenn:
- dein Hund den Kopf schüttelt, schief hält oder am Ohr kratzt (Granne im Ohr)
- ein Auge tränt, zugekniffen oder gerötet ist
- plötzliches heftiges Niesen oder Nasenbluten (Granne in der Nase)
- eine geschwollene, nässende oder eiternde Stelle zwischen den Zehen entsteht
- du eine Granne vermutest, sie aber nicht sehen oder erreichen kannst
Je früher eine tief sitzende Granne entfernt wird, desto einfacher und schonender ist der Eingriff.
Wie kann ich Grannen vorbeugen?
Riskante Wiesen meiden, den kurzen Check zur Routine machen und das Pfotenfell kurz halten:
- Hohe, trockene Wiesen und abgeerntete Felder im Hochsommer meiden oder auf Wegen bleiben
- Nach jedem Spaziergang der kurze Check (wird schnell Routine)
- Bei langhaarigen Hunden das Fell zwischen den Ballen kurz halten
Häufige Fragen
Wann ist Grannen-Saison?
Vor allem Hochsommer bis Frühherbst, wenn Gräser und Getreide reif und trocken sind.
Mein Hund leckt ständig an einer Pfote, ich sehe aber nichts. Granne?
Gut möglich, dass eine Granne bereits eingedrungen ist. Wenn das Lecken anhält oder die Stelle anschwillt, lass es in der Praxis anschauen.
Sind Grannen in Sonnenblumenfeldern ein Thema?
Nein, Grannen stammen von Gräsern und Getreide. In Sonnenblumenfeldern sind eher Hitze und Sichtverlust im hohen Bewuchs das Thema.
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Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei unklaren, starken oder wiederkehrenden Beschwerden lass deinen Hund bitte in der Praxis anschauen.