Der Hund einer Freundin, ein Dalmatiner, liebt seinen Platz auf der Terrasse. Er dreht sich mittags gern auf den Rücken und lässt sich den hellen Bauch von der Sonne wärmen, mit einem Gesichtsausdruck irgendwo zwischen Yoga und Tiefschlaf. Genau bei diesem Anblick ist mir zum ersten Mal aufgefallen, wie dünn das Fell am Bauch eigentlich ist und wie rosa die Haut darunter durchschimmert.
Sonnenschutz für Hunde klingt für viele erst einmal übertrieben. Ist er aber nicht: Hunde können Sonnenbrand bekommen, manche sogar ziemlich leicht. Welche Stellen gefährdet sind, welche Fellnasen besonders aufpassen müssen und was wirklich schützt, klären wir hier, ganz ohne Panik und von Hundemensch zu Hundemensch.

Schatten schlägt jede Creme
Der wirksamste Sonnenschutz kostet nichts und muss nicht abgeleckt werden: ein Schirm, ein Baum, ein Sonnensegel. Viele Hunde bleiben freiwillig in der prallen Sonne liegen. Genau dann darfst du liebevoll umlenken.
Können Hunde überhaupt einen Sonnenbrand bekommen?
Ja, Hunde können einen Sonnenbrand bekommen, und zwar überall dort, wo wenig Fell und wenig Pigment die Haut schützen. Dichtes Fell wirkt wie ein natürlicher Sonnenschirm, aber es bedeckt eben nicht den ganzen Hund. Ein Sonnenbrand sieht beim Hund ähnlich aus wie bei uns: Die Haut wird rot, später manchmal schuppig, und sie ist berührungsempfindlich. Viele Hunde zeigen das erst spät, weil sie sich nicht beschweren, sondern höchstens vermehrt kratzen oder sich zurückziehen.
Welche Körperstellen sind beim Hund besonders gefährdet?
Die Klassiker sind Nasenrücken, Ohrspitzen und der Bauch, dazu alle Stellen mit wenig oder frisch geschorenem Fell. Der unbehaarte Nasenrücken fängt die Mittagssonne direkt ein, dünn behaarte Ohrspitzen sind bei hellen Hunden ein echter Schwachpunkt, und der Bauch bekommt beim Rückenliegen und durch reflektierende Flächen wie Sand oder Wasser mehr Sonne ab, als man denkt. Auch Narben, kahle Stellen und frisch geschorene Partien, etwa nach einer OP oder einem Sommerschnitt, haben ihren natürlichen Schutz verloren und brauchen besondere Aufmerksamkeit.

Welche Hunde brauchen besonderen Sonnenschutz?
Alle mit hellem Fell, heller Haut, dünnem Haarkleid oder viel nackter Haut. Dazu gehören weiße und cremefarbene Hunde, Fellnasen mit rosa Näschen und hellen Augenlidern, kurzhaarige Rassen mit dünnem Fell, Nackthunde sowieso, und alle Hunde, die gerade frisch geschoren sind. Auch Seniorinnen mit lichter werdendem Fell gehören dazu. Ein Hund mit dichtem Goldfell ist am Rücken von Natur aus gut geschützt, die hellrosa Nase ist es trotzdem nicht. Es lohnt sich also, den eigenen Hund einmal ehrlich von Nase bis Rute durchzugehen: Wo ist er hell, dünn behaart oder nackt?
Wie schützt du deinen Hund am besten vor der Sonne?
Der beste Sonnenschutz ist Schatten, kluges Timing und das Management der Lieblingsplätze. Konkret heißt das:
- Gassi-Zeiten verschieben: Im Hochsommer die großen Runden in den frühen Morgen und späten Abend legen. Das schützt Haut und Kreislauf gleichzeitig, und auch der Asphalt ist dann pfotenfreundlicher, mehr dazu im Ratgeber über heißen Asphalt und Hundepfoten.
- Schatten anbieten: Ein Sonnensegel, ein Baum oder eine Strandmuschel machen den Lieblingsplatz sicher. Viele Hunde bleiben freiwillig in der Sonne liegen, hier darfst du liebevoll umlenken.
- Sonnenbade-Zeiten begrenzen: Ausgiebiges Rückenliegen in der Mittagssonne lässt sich mit einem Spiel oder einer Kausession im Schatten charmant unterbrechen.
- Textiler Schutz: Für sehr empfindliche oder frisch geschorene Hunde gibt es leichte UV-Shirts, die große Flächen zuverlässig abdecken.
- Sonnenschutzmittel nur mit Praxis-Beratung: Es gibt Sonnencremes speziell für Hunde, aber welche Produkte für deinen Hund geeignet und sicher sind, gehört in die Beratung deiner Tierarztpraxis. Menschliche Sonnencreme ist keine Lösung auf eigene Faust, denn Hunde lecken eingecremte Stellen ab, und manche Inhaltsstoffe vertragen sie schlecht.
Wie pflegst du sonnenbeanspruchte Haut nach dem Sommertag?
Mit Ruhe, Schatten und einer milden Pflege für trockene, beanspruchte Stellen. Nach einem langen Tag draußen fühlt sich Hundehaut an exponierten Stellen manchmal trocken und strapaziert an, ähnlich wie unsere. Beanspruchten, intakten Hautstellen, etwa dem sonnenstrapazierten Nasenrücken-Umfeld oder trockenen Partien am Bauch, tut dann eine milde Pflege gut, wir nutzen dafür unsere SOS Creme. Sie ist ein kosmetisches Pflegeprodukt, ersetzt keine tierärztliche Behandlung und ist keine Sonnencreme: Sie pflegt nach der Sonne, sie schützt nicht vor ihr. Ein echter Sonnenbrand mit deutlicher Rötung oder gar Bläschen gehört dagegen nicht unter Pflegecreme, sondern in die Praxis. Nach Strandtagen findest du die komplette Routine im Strand-Ratgeber.
Wann gehört das Thema Sonne in Tierarzt-Hände?
- Deutliche Rötung, Bläschen oder nässende Stellen nach einem Sonnentag
- Dein Hund ist berührungsempfindlich, kratzt sich stark oder wirkt schlapp
- Hautveränderungen an Nase oder Ohrspitzen, die nicht abheilen oder immer wiederkehren: bitte zeitnah abklären lassen
- Du möchtest ein Sonnenschutzmittel verwenden: Die Auswahl des passenden Produkts gehört in die tierärztliche Beratung
Häufige Fragen
Bekommen auch dunkle Hunde Sonnenbrand?
Seltener, aber ja. Auch bei dunklen Hunden sind dünn behaarte Stellen wie Bauch, Nasenrücken oder frisch geschorene Partien empfindlich. Dunkles Fell heizt sich außerdem stark auf, Überhitzung ist hier das größere Thema.
Darf ich meine eigene Sonnencreme für meinen Hund verwenden?
Nicht auf eigene Faust. Hunde lecken eingecremte Stellen ab, und einige Inhaltsstoffe menschlicher Sonnencremes sind für Hunde ungeeignet. Lass dich in deiner Tierarztpraxis zu einem geeigneten Produkt beraten.
Schützt das Fell nicht von alleine?
Dichtes Fell schützt gut, aber eben nur dort, wo es dicht ist. Nase, Ohrspitzen, Bauch und geschorene Stellen bleiben Schwachpunkte. Deshalb den eigenen Hund einmal bewusst auf helle, dünn behaarte Zonen checken.
Soll ich meinen Hund im Sommer scheren lassen?
Bei den meisten Rassen nein, denn das Fell isoliert auch gegen Hitze und schützt vor UV-Strahlung. Ob ein Sommerschnitt für deinen Hund sinnvoll ist, besprichst du am besten mit Hundefriseur und Tierarztpraxis.
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Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei unklaren, starken oder wiederkehrenden Beschwerden lass deinen Hund bitte in der Praxis anschauen.