Es war ein ganz normaler Kuschelabend, als meine Hand beim Streicheln am Ellenbogen eines älteren Golden Retrievers hängen blieb, den ich seit Jahren kenne. Eine kleine Stelle, an der das goldene Fell dünn geworden war, die Haut darunter rau und grau. Er hat nicht einmal gezuckt, ihm tat nichts weh. Aber ich habe in diesem Moment verstanden, dass ein Hund, der älter wird und mehr liegt als früher, an den Auflagepunkten genau diese Aufmerksamkeit braucht.
Liegestellen entstehen leise. Kein Humpeln, kein Jaulen, nur eine Stelle, die sich langsam verändert. Genau deshalb lohnt es sich, das Thema zu kennen, bevor aus rauer Haut eine wunde Stelle wird. Hier erfährst du, warum sich Hunde wundliegen, wie du früh gegensteuerst und wie du beanspruchte Haut sanft begleitest.

Weicher Untergrund entlastet die Druckpunkte
Drück mit der flachen Hand in die Liegematte: Spürst du den Boden darunter, ist sie zu dünn. Biete deinem Hund zusätzlich mehrere Liegeplätze an, damit er die Position und damit die belasteten Stellen öfter wechselt.
Warum liegt sich ein Hund überhaupt wund?
Weil an den knochigen Punkten des Körpers ständig Druck auf immer dieselbe Hautstelle wirkt. Ellenbogen, Hüfte, Sprunggelenk: Überall dort, wo wenig Muskulatur und Fett zwischen Knochen und Boden liegen, wird die Haut beim Liegen zusammengedrückt und schlechter durchblutet. Auf hartem Untergrund wie Fliesen, Laminat oder dünn gepolsterten Decken passiert das schneller. Besonders betroffen sind große, schwere Rassen, sehr schlanke Hunde und vor allem Hundesenioren, die viele Stunden am Tag liegen und sich seltener von selbst umdrehen. Auch nach einer Operation, wenn ein Hund tagelang viel ruht, steigt das Risiko. Kurz gesagt: Je mehr Gewicht, je mehr Liegezeit und je härter der Boden, desto wichtiger wird das Thema.
Wie erkennst du Liegestellen frühzeitig?
Am zuverlässigsten mit den Händen, beim ganz normalen Streicheln. Fahre regelmäßig bewusst über Ellenbogen, Hüfthöcker und Gelenke und achte auf diese Stufen: Zuerst wird das Fell an der Stelle dünner oder bricht ab. Dann fühlt sich die Haut rau, trocken oder verdickt an, oft wird sie grau und schwielig. Später kann die Stelle gerötet, rissig oder im ungünstigsten Fall offen und nässend sein. Die ersten beiden Stufen sind dein Bereich: beobachten, entlasten, pflegen. Alles, was offen, nässend oder schmerzhaft ist, gehört in die Praxis. Ein fester Blick pro Woche reicht, um nichts zu verpassen, und dein Hund hält es ohnehin für eine Extraportion Kuscheln.

Wie machst du den Liegeplatz weicher und besser?
Die wirksamste Hilfe gegen Liegestellen ist Entlastung, und die beginnt beim Untergrund. Ein paar Dinge haben sich bewährt:
- Dicke, druckentlastende Unterlage: Ein Hundebett mit hochwertigem Schaumstoff, der nicht platt gelegen ist, verteilt das Gewicht deutlich besser als eine dünne Decke auf Laminat. Drück mit der flachen Hand hinein: Spürst du den Boden, ist die Matte zu dünn.
- Mehrere Liegeplätze anbieten: Wer die Wahl zwischen Körbchen, Teppich und Decke hat, wechselt öfter die Position und damit die belasteten Stellen.
- Sanft umlagern: Liegt dein Hundesenior stundenlang auf derselben Seite, animiere ihn zwischendurch freundlich zum Aufstehen oder Umdrehen, zum Beispiel mit einem kurzen Ortswechsel oder einer Mini-Runde durch die Wohnung.
- Lieblingsplätze ehrlich prüfen: Viele Hunde lieben kühle Fliesen, gerade im Sommer. Dann hilft ein dünnes, aber dicht gepolstertes Kühl- oder Liegepad als Kompromiss.
Gerade bei älteren Hunden greifen diese Punkte in die gesamte Alltagsroutine, mehr dazu findest du im Ratgeber über die Pflege älterer Hunde.
Wie pflegst du beanspruchte Liegestellen sanft?
Mit Ruhe, Regelmäßigkeit und einer milden Pflege für die intakte, aber beanspruchte Haut. Raue, trockene Druckstellen freuen sich über Zuwendung: Halte die Stelle sauber, kontrolliere sie täglich kurz und massiere eine dünne Schicht einer milden Pflegecreme wie unserer SOS Creme ein. Das hält die Haut geschmeidig und macht die Kontrolle gleich zum kleinen Ritual, das die meisten Hunde sichtlich genießen. Zur Einordnung: Die SOS Creme ist Tierkosmetik für die Pflege beanspruchter Haut, zum Beispiel bei wundgelegenen Stellen und Druckstellen, sie ist kein Arzneimittel und behandelt keine Wunden. Wichtig ist die Grenze: Gepflegt wird nur geschlossene Haut. Sobald eine Stelle offen, nässend oder entzündet ist, kommt nichts mehr drauf, sondern der Hund in die Praxis.
Damit bitte in die Praxis
- Offene, nässende oder blutende Liegestellen
- Gerötete, heiße oder geschwollene Haut rund um eine Druckstelle
- Dein Hund leckt oder knabbert auffällig an einer Stelle oder zeigt Schmerz bei Berührung
- Eine Schwiele, die schnell wächst, sich verfärbt oder verändert
- Dein Hund steht deutlich seltener auf als sonst oder wirkt steif: auch das gehört abgeklärt
Häufige Fragen
Sind Liegeschwielen am Ellenbogen dasselbe wie Wundliegen?
Nicht ganz. Die graue, verdickte Schwiele ist eine Schutzreaktion der Haut auf wiederholten Druck und zunächst harmlos. Problematisch wird es, wenn die Schwiele rissig, gerötet oder offen wird. Beides hat dieselbe Ursache, deshalb helfen auch dieselben weichen Liegeplätze.
Welche Hunde sind besonders gefährdet?
Große und schwere Rassen, sehr schlanke Hunde mit wenig Polster über den Knochen, Hundesenioren mit viel Liegezeit und Hunde, die nach einer OP längere Zeit ruhen müssen. Bei ihnen lohnt der wöchentliche Hautcheck doppelt.
Wie lange dauert es, bis sich eine raue Liegestelle erholt?
Haut braucht Geduld: Rechne eher in Wochen als in Tagen, denn der Druck wirkt ja weiterhin bei jedem Liegen. Mit konsequent weichem Untergrund und regelmäßiger Pflege siehst du meist nach einigen Wochen, dass die Haut geschmeidiger wird und Fell nachwächst. Verändert sich nichts oder wird es schlimmer, ab in die Praxis.
Hilft es, die Stelle zu polstern, etwa mit einem Verband?
Bitte nicht auf eigene Faust. Schlecht sitzende Polster und Verbände können scheuern und mehr schaden als nützen. Sinnvoller ist es, den Liegeplatz zu polstern statt den Hund. Wenn eine Stelle so weit ist, dass du über einen Verband nachdenkst, ist das ein Fall für die Praxis.
Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei unklaren, starken oder wiederkehrenden Beschwerden lass deinen Hund bitte in der Praxis anschauen.